Paraguays Sorgen um Inflation und schwankende Devisenkurse
- Artikel vom 17.12.07 -

Paraguay - Wirtschaft

Das erste Halbjahr 2007 zeichnete sich durch eine restriktive Politik der Zentralbank aus. Im Januar, Februar, März und dann wieder im Juni gab es eine Deflation. Die Verbraucherpreise senkten sich, anstatt zu steigen, wenn auch die meisten Hausfrauen mit dieser Einschätzung der Zentralbank nicht einverstanden waren. Im zweiten Halbjahr, unter Einfluss eines harten internen Wahlkampfes der Regierungspartei, scheint die Gefahr zu bestehen, dass die Zentralbank die Kontrolle nur noch unter Schwierigkeiten aufrecht erhalten kann.

Die Inflation des Monats August wird mit 3,4% angegeben. Im September waren es 0,9%; und im Oktober 3,7%. Die Inflation seit Januar 2007 liegt bei 7,0%. Die Inflation der letzten 12 Monate wird mit 12% angegeben.

Der hohe Sprung im Oktober wird verschiedenen wichtigen Lebensmitteln angelastet, beispielsweise bei Rindfleisch, Milchprodukten, Brot, anderen Mehlspeisen sowie anderen Produkten. Ebenso spielten die Transportkosten, auch die des Personentransportes, eine Rolle. Auch Kosten des Wohnungsbaus und der Mieten gingen in die Höhe. Ein gewichtiger Faktor war auch die Erhöhung des staatlich vorgeschriebenen Mindestlohnes um 10%.
In der Planung der Regierung für das Jahr 2007 war eine Inflation von 5% vorgesehen, die maximal bis auf 7,5% klettern sollte. Diese Marke wurde per Ende Oktober schon fast erreicht, so dass in der Zentralbank erhöhte Wachsamkeit herrscht.

Grund der Inflation ist nach Ansicht einiger Experten nicht so sehr die Trockenheit und die daraus folgende Verteuerung verschiedener Lebensmittel, auch nicht der hohe Erdölpreis, sondern vielmehr das gröβere Volumen des umlaufenden Geldes. Verursacht werde dies durch hohe Kosten des internen Wahlkampfes der Regierungspartei, der in der Praxis das ganze Land erfasst hat. Die Regierung des Präsidenten Nicanor Duarte Frutos hat von Januar bis Oktober dieses Jahres insgesamt 510 Mio. US$ von den beiden zweistaatlichen Wasserkraftwerken Itaipú und Yacyretá erhalten (Zum Vergleich: Das Steueraufkommen der Zentralverwaltung wird monatlich mit etwa 110 Mio. US$ angegeben. Das Brutto-Inlandsprodukt des Landes lag 2006 bei 8,5 Mrd. US$).

Von den empfangenen 510 Mio. US$ liefen ungefähr 350 Mio. US$ über den Staatshaushalt. Der Rest – ungefähr 160 Mio. US$ - werden vom Präsidialamt ohne jegliche Kontrolle nach Gutdünken ausgegeben. Wie es heiβt, wird dieses Geld besonders in dieser Wahlzeit freigiebig und nach politischen Gesichtspunkten unter die Wähler verteilt. Eine Kontrolle dieser Ausgaben ist weder durch das Parlament noch durch den Rechnungshof möglich.

Zusammen mit den Überweisungen der Auslandsparaguayer – im vergangenen Jahr etwa 650 Mio. US$ - haben diese 510 Mio. US$ der Wasserkraftwerke ihren Einfluss auf die paraguayische Wirtschaft ausgeübt, ohne dass die Zentralbank in der Lage war, diesen Einfluss vollkommen zu neutralisieren. Erst einmal bewirkte dieser Zustrom von Dollars die Senkung der Devisenkurse. Zu sehen war dies hauptsächlich an der Leit- und Reservewährung US-Dollar. Der Dollar stand im Januar 2007 noch bei 5.200 Guaranies. Heute steht er bei 4.750 bis 4.800 Guaraníes. Während die Importeure sich darüber freuten, protestierte der Bereich der Produktion in Stadt und Land, da die zu exportierenden Produkte, veredelt oder nicht, jetzt nur noch geringe Preise erzielen.

Die Zentralbank sah sich gezwungen, diese für das Land auβergewöhnlich hohen Devisenmengen aus dem Markt zu nehmen. Dies geschieht, indem die Zentralbank die Devisen aufkauft, damit ihren Kurs unterstützend, um damit die Devisenreserven des Landes aufzufüllen. Die paraguayischen Devisenreserven lagen zu Jahresbeginn bei 1,65 Mrd. US$. Heute sind es 2,15 Mrd. US$, eine in der Geschichte niemals erreichte Höhe.
Doch diese Einkäufe der einlaufenden Devisen haben ihren Preis. Die Zentralbank muss für den Einkauf Guaraníes ausgeben, die das Volumen des umlaufenden Geldes erhöhen, also inflationsfördernd wirken. Während die Menge des umlaufenden Geldes im Jahr 2006 um 15% zunahm, wird für den Zeitraum von Juli 2006 bis Juli 2007 eine Erhöhung von 27,7% angegeben.

Für die Deviseneinkäufe hat die Zentralbank nach Meinung einiger Fachleute die Gelddruckmaschine angeworfen. Es werde Geld ausgegeben, das in keiner vernünftigen Relation zu den im Land produzierten Gütern und Dienstleistungen steht, heiβt es.
Da eine derartige Erhöhung des Volumens des umlaufenden Geldes die Inflation zu stark anheizt, muss die Zentralbank auch dieses gerade erst (für Devisenkäufe) ausgegebene Geld wieder vom Markt nehmen. Sie tut es durch die so genannten „Regulierungswechsel“,. Es handelt sich dabei um (verzinste) Instrumente der Kaufkraftabschöpfung, die den Geschäftsbanken angeboten und von diesen wegen des nicht bestehenden Ausfallrisikos auch gern genommen werden. Die Summe des auf diese Weise von der Zentralbank neutralisierten Geldes wuchs von 3,3 Billionen Guaraníes im Dezember 2006 auf heute 4,5 Billionen Guaraníes. Mehr als eine Billion Guaraníes in einem halben Jahr!

Die nahe Zukunft dürfte ebenfalls durch das relativ ungeordnete Ausgeben von Sozialhilfen gezeichnet sein, denn nach der internen Vorwahl der Regierungspartei (im Dezember) kommt die allgemeine Wahl am 20. April. Bis dahin ist, nach Meinung verschiedener Beobachter, keine Beruhigung in Sicht, wohingegen nach der allgemeinen Wahl eine Ruhepause eintreten könnte.