Das Bodenreforminstitut INDERT baut Schulen auf dem Land
- Artikel vom 25.08.07 -

Paraguay - Gesellschaft

Das Bodenreforminstitut INDERT ist der Nachfolger des IBR, das vor drei Jahren in das jetzige Bodenreforminstitut umgewandelt wurde. Wenn es auch nicht viel mehr als eine Namensänderung war, so ist doch beim INDERT heute eine gewisse Dynamik spürbar, die dem Vorgänger gefehlt zu haben scheint.

Ein Ausdruck dieser neuen Arbeitsweise sind 50 neue ländliche Schulgebäude, die mit Haushaltsmitteln des INDERT erstellt werden konnten. 50 Schulgebäude in drei Jahren des Bestehens des INDERT ist schon eine ganz hübsche Leistung, die nicht unterschätzt werden sollte. Da nach Meinung vieler Beobachter das gesamte Schulwesen in Paraguay sowieso im Argen liegt, ist es schon erfreulich, dass sich neben dem Erziehungsministerium noch eine andere staatliche Institution um die Schulausbildung der Kinder auf dem Lande kümmert. Die Schulgebäude wurden in den verschiedenen Departements der paraguayischen Ostregion erstellt.

Das INDERT hat mit seiner eigentlichen Aufgabenstellung nichts mit dem Schulwesen zu tun, hat jedoch diese Initiative ergriffen, um der Landflucht entgegenzuwirken, die sich besonders bei den Kindern des platten Landes bemerkbar macht, die keine vernünftige schulische Ausbildung genossen haben. Diese sind es, die man nach einigen Jahren in den Slumvierteln der Peripherie der groβen Städte wiederfindet.
Mit diesen Neubauten, die allerdings auch jedes Mal an die 150 Mio. Guaraníes (22.000 Euro) kosten, ist man auf dem Weg, die bisherige Methode beiseite zu lassen, die man bis heute noch an vielen Stellen sehen kann – dass die Kinder, auch bei scharfer Kälte, unter einem Baum im Freien sitzen und unterrichtet werden.

Eine weitere Aufgabe, die das INDERT sich gestellt hat, ist die Vergabe von Eigentumstiteln an die Bauern, denen im Rahmen der Bodenreform ein Stück Land zugeteilt wurde. Dies ist ein Teil der eigentlichen Aufgabe des Bodenreforminstituts, denn die einfache Zuteilung eines Stück Landes reicht nicht aus. Bisher wurde es so gehandhabt, dass der Bauer in der Praxis keinen Eigentumstitel bekam, so dass er bei Beginn des landwirtschaftlichen Zyklus nicht in der Lage war, auf Kredit Saatgut und andere Materialien einzukaufen. Denn in Paraguay arbeitet der Bauer, auch der Kleinbauer, mit Bankkrediten, weil er meistens kein ausreichendes Eigenkapital hat. Einen Kredit bekommt er jedoch nur, wenn er seinen Eigentumstitel vorlegen kann, um sein Landstück mit einer Hypothek zur Absicherung seiner Verschuldung zu belegen. Wenn er keinen Titel vorweisen kann, fällt der Kleinbauer oft in die Hände von Wucherern, die hohe Zinsen verlangen und dem Bauern die Landarbeit verleiden, so dass er auch ein Kandidat ist, demnächst in die groβe Stadt abzuwandern.

Bis zum Ende der jetzigen Legislaturperiode, also bis August 2008, hofft man im INDERT, insgesamt 15.000 Eigentumstitel an Kleinbauern zu vergeben. Nicht zu vergessen ist bei dieser Tendenz auch, dass die Bauern nicht nur im Grundbuch, sondern auch in den Registern der Banken erscheinen werden, und also irgendwann einmal auch zum Steuerzahlen herangezogen werden können. Dies scheint ein weiteres Ziel dieser Initiative des INDERT zu sein. Eine Besteuerung der Bauern ohne Eigentumstitel war nach den bisherhigen steuerllichen Richtlinien nicht möglich.