Das Bild über Korruption in Paraguay ändern, aber wie?
- Artikel vom 25.08.07 -

Paraguay - Kolumne

von R. B. Behrens
Die von der Weltbank veröffentlichte Studie über Korruption in Lateinamerika „Government Matters 2007“ bestätigt die Befürchtungen und die Wahrnehmung der paraguayischen Bevölkerung: Während der jetzigen Regierung, die mit den nächsten Wahlen 2008 zu Ende geht, wurde viel zu wenig gegen die bestehende Korruption unternommen.

Paraguay ist nach Haiti und Venezuela das korrupteste Land in Lateinamerika.
Das wird durch einen Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung bekräftigt ,(ISSN 1519-6836 Konrad-Adenauer-Stiftung, Rio de Janeiro, Januar 2007, Herausgeber: Dr. Wilhelm Hofmeister), der von dem ehemaligen Senator Diego Abente Brun, gegenwärtig Vertreter Paraguays in der OEA (Organisation Amerikanischer Staaten), zusammengestellt wurde, und in dem die soeben erwähnte Weltbankstudie oft genug zitiert wird.

„Paraguay“ und „Korruption“ sind zwei Begriffe, die leider in den Köpfen vieler Ausländer zu einer Art „Ideenassoziation“ herangewachsen sind. Eine zutiefst verderbliche Eigenschaft für ein Land, das mehr denn je auf ausländische Investitionen angewiesen ist, um die Armutsbarriere zu durchbrechen.
Fraglich ist allerdings, ob dies mit Berichten und Studien erreicht wird, die im Grunde nur das bestätigen, was von einem sehr großen Teil der Bevölkerung und etlichen Experten bereits seit geraumer Zeit empfunden wird.

Was bringt es, auf einer bis zum Überdruss erprobten und bewiesenen Tatsache derartig „herumzureiten“?

Schwächt dies nicht nur die Motivation, die man braucht, um dagegen anzukämpfen?

Verstärkt es nicht die Resignation, die durch das Gefühl entsteht, dass man dem ja sowieso machtlos ausgeliefert sei?

In wie weit hilft es heute noch, Paraguay und den Paraguayern „beizubringen“, dass es Korruption gibt?

Sollte man nicht besser langsam damit anfangen zu zeigen, wie man dagegen effektiv vorgehen kann? Oder begibt man sich dabei in die Gefahr, eigene Unzulänglichkeiten zu entblößen?

„Wie kann ein einfacher Paraguayer erfolgreich gegen Korruption kämpfen und vor allem, welchen persönlichen, unmittelbaren Nutzen zieht er daraus?“

Das wäre vielleicht eine Frage zur „internen Bekämpfung“ der Korruption, die in einen entsprechenden Fragenkatalog gehören könnte.
Leider scheint dieser Ansatz viel zu wenig von den hiesigen Behörden und/oder internationalen Organisationen beleuchtet zu werden. Oft ist er nicht einmal vorhanden.
Das entspricht einem Schema, welches auch sonst weltweit noch viel zu oft angewendet wird. „Zur Lösung des Problems wird das Problem beschrieben, auf die Lösung selber wird nur wenig eingegangen, wenn überhaupt.

Das Problem wird aber meistens durch seine Beschreibung nicht gelöst, sondern gerade dadurch geschaffen, und je umfangreicher diese Beschreibung ist, desto größer ist am Ende das Problem selbst, und zwar in den Köpfen der Menschen. Dann wird es aber besonders schwierig, es definitiv zu lösen. Es entwickelt sich vielmehr zu einem derartigen „Geschöpf“, dass die einzige denkbare „Lösung“ oft in Resignation und Ohnmacht mündet. „Voila“ - da wären wir bei dem, was beispielsweise in der paraguayischen Jugend leider heute viel zu oft vorzufinden ist. Aber haltet mich von Studien darüber fern!

Man braucht ja nur die letzten Zahlen der Wahlbeteiligung an den letzten Wahlereignissen anzuschauen oder, viel einfacher noch, mit jungen Leuten auf der Straße zu reden, um festzustellen, dass sie sich darüber einig sind. Das Bild eines Landes in den Köpfen seiner Bewohner bestimmt deren Gemüter. Die der Jugend in Paraguay sind alles, außer glücklich. Um derartige Bilder zu verändern, muss man nach positiven Ereignissen aus der Vergangenheit eines Landes suchen, die ihr die Kraft und das Gefühl wiedergeben, dass es sich lohnt, für das Land zu kämpfen und darüber hinaus vor allem realistische Alternativen erörtern.

Um konkret auf das soeben genannte Beispiel zurückzugreifen: Welchen unmittelbaren Vorteil hat man beispielsweise in Paraguay dadurch, dass man einen Korruptionsfall anzeigt?

Lohnt es sich wirklich, oder führt das nur zu zusätzlichen Problemen für den oder die Betroffene?

Wie verhält es sich vergleichsweise mit derartigen Korruptionsanzeigen in anderen Ländern?

Wäre dies nicht eher ein Ansatz, auf dieses Problem einzugehen?

Es wäre interessant zu erfahren, ob unsere „Schreibtischexperten“ in Paraguay oder irgendwo in Washington oder Europa auf diese oder ähnliche Fragen mit der gleichen Redegewandtheit eine Antwort finden könnten.