In der Praxis gibt es in Paraguay seit Jahren zwei Staatshaushalte, einen, der vom Parlament beschlossen wird, und einen anderen, der sich aus den Streichungen ergibt, die notgedrungen vom Finanzministerium durchgeführt werden, weil das Geld fehlt.
Auch in diesem Jahr ergibt sich ein Haushaltsdefizit von ungefähr US$ 124 Mio., weshalb im Finanzministerium nicht ausgeschlossen wird, weitere Kürzungen und Streichungen vorzunehmen, zusätzlich zu denen, die bereits durchgeführt wurden. Weil die Steuereinnahmen in den ersten Monaten dieses Jahres höher als geplant ausfielen, sieht man allerdings die Situation mit verhaltenem Optimismus.
Doch die Situation sieht nicht allzu rosig aus. Die Parlamentarier hatten für großzügige Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst gestimmt und für deren Finanzierung einen Teil der “Royalties” herangezogen, die von den beiden zweistaatlichen Wasserkraftwerken gezahlt werden. Die sollten jedoch nach der Absicht des Finanzministeriums zur Deckung des Schuldendienstes dienen. So hängen jetzt rund 44% des Schuldendienstes von der Ausgabe neuer staatlicher Schuldverschreibungen oder von neuen Auslandskrediten ab. Sollten die Schuldverschreibungen nicht verkauft werden können oder sollten keine neuen Auslandskredite erreichbar sein, können möglicherweise Zinsen und Amortisierungen der Auslands- wie der Inlandsschuld nicht gänzlich bezahlt werden.
Angesichts dieser misslichen Lage erinnert man im Finanzministerium daran, dass der Schuldendienst in diesem Jahr insgesamt bei 316 Mio. US$ liegt. Im Jahr 2007 werden es 354 Mio. US$ sein, im Jahr 2006 sind es US$ 341 Mio. Diese Situation hat bereits die Verhandlungen um ein neues Stand-by-Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds schwierig gestaltet. Auch das zeitweilige Absinken des Steueraufkommens nach der Brückenblockade in der ostparaguayischen Handelsstadt Ciudad del Este hat in diesem Zusammenhang zu Besorgnis Anlass gegeben.
Die Regierung versucht derweil, einen Kredit über 15 Mio. US$ der Weltbank vom Parlament genehmigen zu lassen. Weiterhin wurden Kontakte zur Botschaft der Republik China (Taiwan) aufgenommen, um einen neuen Kredit zu bekommen, der zur Zahlung der fälligen Raten der Auslands- und Inlandsschuld herangezogen werden könnte.