Das wohl ärmste Departement des Landes ist das Departement San Pedro, in welchem viele verarmte Kleinbauern leben, die sich oft mit dem Anbau der Baumwolle durchschlagen. Da der Baumwollanbau meistens in Familienbetrieben durchgeführt wird und mit allen Familienmitgliedern jedes Jahr bis zu 1 Mio. Personen beschäftigt - die Kinder arbeiten auch bei der Ernte mit - hat die Regierung seit Jahrzehnten diesem Bereich besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Unter populistischen Regierungen der letzten Jahrzehnte kam es dann in Mode, den Bauern Subventionen zu geben. Und daran haben diese sich jetzt gewöhnt und sehen das heute als ein erworbenes Recht an. Oft wird ihnen das Saatgut geschenkt, in einigen Jahren, wie in diesem Jahr auch, übernehmen Heeres-Lkw kostenlos den Transport von den Bauernhöfen bis zur Baumwollkämmerei.
Da die diesjährige Baumwollernte wegen der langen Trockenzeit schlecht ausfiel, verlangen die Bauern jetzt von der Regierung eine Entschädigung für jeden Hektar, auf dem die Ernte missglückte. Dazu wurde in einer Besprechung mit Regierungsvertretern am 21. Februar ausgemacht, dass Regierungsfunktionäre die Arbeit der Prüfung und Zählung der Flächen übernehmen würden, um jedem Bauern die Entschädigung gemäß der tatsächlich eingetretenen Schäden auszahlen zu können. Diese Arbeit sollte in zwei Wochen beendet sein. Aber bis heute liegt noch kein Ergebnis vor.
Ein weiterer Streit tobt um die Höhe der Entschädigung. Die Regierung hat vor einigen Tagen einen Betrag von 200.000 Guaraníes pro Hektar angeboten. Aber die Bauern, vereinigt in kampflustigen Vereinigungen, fordern 2 Mio. Guaraníes plus Streichung ihrer Schulden, die sie für den Einkauf von Schädlingsmitteln eingingen. Da die Regierung kaum in der Lage sein wird, derart hohe Entschädigungen zu zahlen, ist der nächste Konflikt für die Regierung des Nicanor Duarte Frutos vorprogrammiert.
Nach einer Großdemonstration der Bauern in der Departementshauptstadt San Pedro del Ycuamandyyu hat es Gouverneur Jorge Céspedes übernommen, in Verhandlungen mit den Bauern eine Lösung zu suchen.
Die Baumwollernte wurde inzwischen abgeschlossen. Bis jetzt haben die Baumwollkämmereien insgesamt 100.000 t Rohbaumwolle entgegengenommen. Die Preise schwankten dabei zwischen 1.700 und 2.000 Guaraníes pro Kilogramm. Die Regenfälle in der zweiten Märzhälfte verschlimmerten die Situation, so dass die abgelieferte Baumwolle einen hohen Feuchtigkeitsgehalt aufwies, was zu Preisabschlägen führte.