Ein unbequemer Rundfunkreporter spurlos verschwunden
- Artikel vom 10.04.07 -

Paraguay - Gesellschaft

Nachdem der Rundfunkreporter Enrique Galeano am 4. Februar spurlos verschwand, haben praktisch alle paraguayischen Medien den Fall aufgenommen und die zunehmende Anmaßung regierungsfreundlicher Kreise beklagt.

Der Reporter arbeitete in einer Rundfunkstation in der Ortschaft Yby Yau. Bekannt wurde er durch harte Kritiken, die auf einen Abgeordneten der Zone zielten. Der Abgeordnete Magdaleno Silva gehört der regierenden Colorado-Partei an und wird als Anhänger des Staatspräsidenten Duarte Frutos bezeichnet. Der Abgeordnete wurde im Zusammenhang mit mutmaßlich begangenen Straftaten erwähnt, gesprochen wurde auch von mutmaßlicher Beteiligung am Drogenhandel. Im Verlauf einer Demonstration der Reportergewerkschaft in Asunción am 28. März wurde gefordert, dem “Mafioso” (in Anspielung auf den Abgeordneten) seine parlamentarische Immunität zu entziehen, denn er wisse mehr von dem Fall, als er zugebe. Nach Angaben der Ehefrau des Reporters soll der Abgeordnete einmal mit einer Pistole in ihr Haus eingedrungen sein, um den Reporter zu einem Duell herauszufordern.

Der Reporter wurde zuletzt lebend in der Polizeiwache des Weilers Azotey gesehen. Daraufhin gab es verschiedene Meldungen der Nationalpolizei an die Staatsanwaltschaft, die sich allesamt als falsch herausstellten. Der Reporter sei mit einem Lkw bis Pedro Juan Caballero gefahren, habe dort in einer Pension übernachtet, schließlich wurden zwei Damen genannt, mit denen der Reporter einen kleinen außerehelichen Ausflug unternommen haben sollte - aber alles stellte sich als unrichtig heraus. Schließlich wurde der Leiter der Nationalpolizei der Zone von Concepción abgesetzt und gegen 8 Polizeibeamte der Ortschaft Yby Yau ein Untersuchungsverfahren eingeleitet.

Während man im Innenministerium davon spricht, dass man alles tun werde, um den Fall aufzuklären, erklärte Bischof Pablo Cáceres in einem Rundfunkinterview, dass der Reporter wahrscheinlich schon längst tot sei.