Gemeinsamer Markt des Südens
- Artikel vom 07.04.07 -

Mercosur

Es gibt deutliche Anzeichen für die Wiederbelebung des Mercosur. Brasilien und Argentinien, die Kernländer der Wirtschaftsgemeinschaft, kommen sich politisch näher, Venezuela ist bereits beigetreten, der Beitritt Boliviens steht bevor. Die Perspektive des Mercosur betrifft die Zukunft Südamerikas, denn eine isolierte Entwicklung ist für keinen Staat mehr denkbar.

Der Prozess der Annäherung zwischen Argentinien und Brasilien, der ursprünglich die Kooperation im Produktionssektor verstärken sollte, reduzierte sich in den 1990er Jahren fast ausschließlich auf Handelsvereinbarungen. Diese regionale Handelspolitik war, zusammen mit der eher lustlos betriebenen Integration in den Globalisierungsprozess, die ideologische Antwort auf den so genannten Washington-Konsens und seine Postulate. Zwar expandierte das regionale Handelsnetzwerk, dem sich auch Paraguay und Uruguay sofort anschlossen, schneller als der Austausch mit dem Rest der Welt, doch das allein reichte nicht, um einen autarken Entwicklungsraum entstehen zu lassen. Darüber hinaus waren die Protagonisten der regionalen Integration häufig multinationale Unternehmen, die eine Deregulierung der Märkte anstrebten.

Mit der Abwertung der brasilianischen Währung 1999 verlor die südamerikanische Integration viel von ihrer Dynamik. Die Widersprüche des neoliberalen Modells, das sich seit Beginn der 1990er Jahre zunehmend durchsetzte, traten in den Vordergrund. Argentinien, das am System konvertibler Währungen festhielt, spürte die massiven Folgen besonders. Die argentinische Krise, die im Dezember 2001 einsetzte, schwächte die ohnehin fragilen Handelsbeziehungen weiter und verlangsamte die Integration der Länder der Region in die Weltwirtschaft.

Mit der Währungskrise und der Rezession in den betroffenen Volkswirtschaften schrumpfte der regionale Handel relativ und absolut: 2002 machte der Absatz argentinischer Waren in Brasilien weniger als 20 Prozent des Gesamtexportvolumens aus; einige Jahre zuvor hatte dieser Anteil noch bei 30 Prozent gelegen. Auf brasilianischer Seite war der Einbruch noch drastischer: 2003 sank der Anteil brasilianischer Importwaren in Argentinien von 11 Prozent auf unter 5 Prozent.

Seit 2002 sind dagegen verstärkte argentinische Exporte in andere Regionen und Handelsbilanzüberschüsse gegenüber den Nafta-Staaten (Kanada, USA und Mexiko) und der EU zu erkennen. Innerhalb des Mercosur dagegen verzeichnete Argentinien, nach zehn Jahren kontinuierlicher Überschüsse, 2004 ein erhebliches Handelsbilanzdefizit, das sich im Jahr 2005 noch vergrößert hat. Analysten und Vertreter der Wirtschaft sprachen von einer Invasion brasilianischer Produkte mit negativen Folgen für die Wirtschaft und forderten angesichts dieses angeblich illoyalen Verhaltens gewisse Importrestriktionen gegenüber dem wichtigsten Mercosur-Partner.