Der Departementsrat, die Legislative des Departements Boquerón, hatte Gouverneur David Sawatzky die Erlaubnis gegeben, für den Zeitraum von 38 Tagen außer Landes zu gehen. Zu seinem Urlaub erklärt Sawatzky, dass paraguayische Mennoniten, die in Winnipeg, Kanada leben, ihn zu ihrem jährlichen Fest der Erinnerung an Paraguay eingeladen hätten. Er solle als Redner auftreten, um über die Dezentralisierung der paraguayischen Verwaltung zu referieren.
Da der von Sawatzky veranlasste Ausbau eines Krankenhauses Verdacht erweckte und die Haushaltsführung 2004 bereits zu juristischen Verwicklungen führte, hat diese Auslandsreise bei einigen Personen Verdacht hervorgerufen. So betonte Rechtsanwalt Jorge Rivas in einem Rundfunkinterview mit Radio Pa‘í Pukú: “Ich persönlich glaube, dass der seine Koffer packt, nicht, um in 40 Tagen zurückzukehren, sondern in ungefähr 40 Jahren. Wenn der Rechnungshof dir sagt, dass deine Verwaltung ganz einfach eine Katastrophe ist, wenn die Staatsanwaltschaft das untersucht, wenn du deine Erklärungen außerhalb der gesetzlichen Frist vorgelegt hast, die aber auch so noch berücksichtigt wurden, und wenn mit allen diesen Sachen man zur Schlussfolgerung kommt, dass du einer der schlimmsten Verwalter in der Geschichte des Landes bist und viele Straftaten verübt hast, dann hat einer doch das Recht, Verdacht zu schöpfen.”
Gouverneur Sawatzky betont dagegen, dass er keineswegs die Absicht habe, ins Ausland zu verschwinden, er werde zu Ende seines Urlaubs nach Paraguay zurückkehren.
Ob aus der Reise noch etwas wird, ist allerdings unbestimmt, nachdem am 15. März die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen Sawatzky ausstellte. Die von der Staatsanwaltschaft aufgenommene Anzeige hat sich jetzt in eine Klage wegen “Betrugs” verwandelt.
Ebenfalls am 15. März hat auch der Departementsrat - die Legislative des Departements - dem Gouverneur für die Rechnungslegung des Haushaltsjahres 2005 die Entlastung verweigert. Damit folgte das Plenum der Empfehlung des Haushaltsausschusses, der von ungeklärten Differenzen bei den Kontoauszügen in Höhe von rund 1,3 Mrd. Guaraníes (185.000 Euro) sprach. Neben weiteren Vorwürfen wurde vermerkt, dass die vorgeschriebenen Abschreibungen und Aufwertungen in der Bilanz nicht berücksichtigt wurden.