Angst vor der Blöße - Dr. Nicanor Duarte Frutos zieht seinen Antrag zur Aufnahme in die Noble-Gesellschaft zurück
- Artikel vom 30.03.07 -

Paraguay - Gesellschaft

Am 02. März hatte die First Lady des Landes, Frau Gloria Penayo de Duarte Frutos, für sich und alle Mitglieder ihrer Familie einen Beitrittsantrag an einen bekannten Verein gesendet. Der Verein wird allgemein als “aristokratisch” oder als “Nobelclub” bezeichnet. Einige Beobachter sind der Meinung, dass hier wirklich die “Creme” der Asuncioner Gesellschaft anzutreffen sei.

Die Auslese neuer Mitglieder erfolgt anscheinend durch eine hohe, einmalige Eintrittsgebühr, die mit 35.000 US$ angegeben wird. Danach zahlt das neue Mitglied den monatlichen Vereinsbeitrag, der auch nicht gerade ein Pappenstiel ist. Auch für einen Mann mit Staatspräsidentengehalt sind 35.000 US$ keine Kleinigkeit, besonders wenn er ständig betont, dass er aus einer armen Familie stamme und noch barfuß zur Schule gegangen sei.
Eine weitere Auslese erfolgt durch die Besprechung des Aufnahmeantrags im Vorstand des Vereins. Eine einzige Gegenstimme, die anonym abgegeben wird, reicht für die Ablehnung. Ein weiterer Filter ist der Aushang des Antrags mit Fotos der Antragsteller am Schwarzen Brett, damit die Mitglieder eventuelle Bedenken vorbringen können. So sahen die überraschten Mitglieder in den ersten Märztagen plötzlich das Foto ihres Staatspräsidenten am Schwarzen Brett, wobei sie bemerkten, dass der Antrag unter dem Namen der First Lady lief, mutmaßlich, um nicht zuviel Aufsehen zu erregen.

Innerhalb des Vereins bildete sich sofort eine Front der Mitglieder, die sich gegen die Aufnahme von Nicanor samt Familie aussprachen. In den begüterten Schichten des Landes ist Nicanor ja heute nicht immer beliebt, weil er mit den neuen steuerlichen Bestimmungen manche Gewinnaussichten zunichte machte. Man verzeiht ihm auch nicht mutmaßliche abschätzige Bemerkungen, die er über den Verein im Wahlkampf 2003 gemacht haben soll. Weniger beliebt ist auch seine Beziehung zu einer mennonitischen Missionskirche. In einem traditionell katholischen Land kann das schon gefährlich sein. Die First Lady, die man manchmal mit der Bibel in der Hand sieht, heißt im Volk bereits “Ña Biblia” (etwa: Madam Bibel).

Der Zeitpunkt des Antrags war gut gewählt, denn angesichts der Festigung der Macht von Nicanor, der jetzt auch zum Vorsitzenden der Regierungspartei gewählt wurde und die Wiederwahl als Staatspräsident anstrebt, würde es wohl kaum einer der Vorstandsmitglieder wagen, seine Zustimmung zu versagen. Doch die Gefahr bestand immerhin, weil die Abstimmung im Vorstand mit schwarzen und weißen Kugeln unter strengster Geheimhaltung erfolgt.

Angesichts des Risikos der Blamage, falls nur eine schwarze Kugel im Topf gefunden wird, entschloss sich Madam Bibel, den Antrag zurückzuziehen.