Nach vielen Klagen von Baumwollbauern, die Baumwollkämmereien berechneten zu viele Qualitätsmängel bei der angelieferten Baumwolle, um durch entsprechende Preisabschlägen weniger auszuzahlen, hat die Regierung Einheiten des paraguayischen Heeres zu den verschiedenen Baumwollkämmereien in Marsch gesetzt.
Der Befehl des Oberkommandos trägt das Datum des 6. Februar, wurde jedoch erst am 13. März der Öffentlichkeit bekannt. Der Befehl wurde erst am 7. März in die Praxis umgesetzt, als feldmarschmäßig ausgerüstete Marinesoldaten bei 5 Baumwollkämmereien aufmarschierten, um die Qualität der angelieferten Baumwolle zu kontrollieren. Dem Befehl des Marinekommandos zufolge sollen die abgestellten Offiziere und Unteroffiziere die Waagen der Kämmereien auf richtige Eichung kontrollieren. Sie sollen die Feuchtigkeit der angelieferten Baumwolle kontrollieren, um ungerechtfertigte Preisabschläge zu verhindern, sie sollen schließlich kontrollieren, ob die Kämmerei den “Referenzpreis” zahlt und gegebenenfalls als Vermittler auftreten.
Das Erscheinen der Soldaten verursachte eine geharnischte Erklärung der paraguayischen Baumwollkammer (Cadelpa), die in einem Schreiben an den Vorsitzenden der paraguayischen Industriellenunion UIP von einer “willkürlichen Einmischung der Streitkräfte bei den Baumwollkämmereien” sprach. “Wir sind der Ansicht, dass, außer der zweifelhaften Legalität, hier ein sehr schlimmer Präzedenzfall für die gesamte paraguayische Industrie vorliegt, dass es eine noch nie dagewesene Verletzung der von der Verfassung garantierten Freiheit des freien Unternehmens ist.”
Gleich darauf haben Sprecher der Kriegsmarine betont, dass die Soldaten nur autorisiert seien, Prüfer des Landwirtschaftsministeriums zu “begleiten”, sie hätten keine Befugnis, direkt einzugreifen. Es wurde außerdem erklärt, dass Lkw der Streitkräfte im ganzen Land kostenlos die Rohbaumwolle vom Bauernhof zu den Baumwollkämmereien transportieren.