Argentiniens neue Strategien gegenüber Geldgebern
- Artikel vom 21.03.07 -

Argentinien

So verblüffte Regierungschef Kirchner im vergangenen Jahr mit einem Coup bei den Verhandlungen um die Schulden bei privaten Gläubigern. Kirchner gelang es, nachdem das Land drei Jahre lang wegen Zahlungsunfähigkeit den Schuldendienst gänzlich eingestellt hatte, einen Deal durchzusetzen: Rückzahlung ja, aber nur 30 Prozent der rund 82 Milliarden Dollar. Das könnte “für andere Länder, die in Zahlungskrisen stecken, wegweisend sein”, schreibt Argentinien-Experte Ingo Malcher im aktuellen “Jahrbuch Lateinamerika”.

Ein weiterer Schachzug des argentinischen Regierungschefs war die vorzeitige Rückzahlung der Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 9,5 Milliarden Dollar. Kirchner, der dem Fonds vorwirft, mit seinen Auflagen und Vorschlägen die schwere Wirtschaftskrise Argentiniens der Jahre 2001/ 2002 mitverursacht zu haben, folgte damit Brasiliens Regierungschef Lula da Silva. Auch Brasilien zahlte vorzeitig 15,5 Milliarden Dollar an den IWF zurück. Das Ziel der beiden Länder ist, mit der Abnabelung vom IWF wirtschaftliche Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Dennoch: Der Erfolg derartiger Verhandlungsstrategien deutet auf “eine Rückeroberung politischer Souveränität” der südamerikanischen Länder hin, “die sich gegen das ökonomische Einheitsdenken und den Wirtschaftsliberalismus wendet”, sagt Lateinamerika-Expertin Anne Huffschmid von der Freien Universität Berlin.