Supermarktbrand - neues Verfahren im Fall Ycuá Bolaños
- Artikel vom 25.02.07 -

Paraguay - Allgemein, Paraguay - Politik

Als vor drei Jahren der Supermarkt „Ycuá Bolaños“ in wenigen Minuten vollkommen abbrannte, kamen ungefähr 400 Personen ums Leben. Der gerichtliche Prozess endete in Tumulten. Jetzt wurde ein neues Verfahren beschlossen.

Nach vielen Zeugenaussagen hatten die Eigentümer des Supermarktes beim Brand befohlen, die Tore zu schließen, um zu vermeiden, dass die Kunden in Panik davonliefen, ohne ihre Waren zu bezahlen. Die im Innern des Supermarktes eingeschlossenen Kunden starben innerhalb weniger Minuten. Überlebende und Angehörige der Opfer erwarteten eine Verurteilung wegen Mordes (was den Vorsatz voraussetzt), aber die Richter verurteilten die beiden Hauptangeklagten im Dezember 2006 nur wegen Totschlags, was (weil nicht vorsätzlich) mit maximal 5 Jahren Gefängnis bestraft wird, während der Mord bis zu 25 Jahren einbringt.

Während der Urteilsverkündung begannen die empörten Angehörigen mit Stühlen und anderen Objekten nach den Richtern zu werfen. Die Polizei war nicht in der Lage, den Tumult zu ersticken. Das Urteil wurde deshalb nur zur Hälfte verlesen, dann machten sich die Richter davon. Noch am selben Tag wurden andere Supermärkte der Supermarktkette „Ycuá Bolaños“ von einer Menschenmenge angegriffen und geplündert. Diese Plünderer waren weder Verwandte noch Freunde der Opfer. Niemand weiß, woher sie so schnell kamen, um an der Plünderung teilzunehmen. Die Polizei zeigte sich außer Stande, den Plünderungen Einhalt zu gebieten.

Der Oberste Gerichtshof hat jetzt Einsprüche der Verteidiger der Supermarkt-Unternehmer zurückgewiesen, das erste Verfahren annulliert und damit bewirkt, dass ein neues Verfahren eingeleitet werden muss, welches wahrscheinlich im April oder Mai beginnen wird.