Rückblick - Paraguay kämpft mit einer Jahresinflation von 12,5% und fallenden Devisenkursen
- Artikel vom 22.01.07 -

Paraguay - Allgemein

ASUNCION - Mit dem Internationalen Währungsfonds war als Ziel eine Jahresinflation 2006 von 5% festgelegt worden, wobei bis zu 2,5 Punkte nach oben oder unten abgewichen werden konnte.

Dieses ehrgeizige Ziel konnte schließlich nicht erreicht werden, sondern wurde weit übertroffen. Zentralbankpräsidentin Monica Pérez musste am 2. Januar zugeben, dass die Inflation des Weihnachtsmonats Dezember mit 2,7% festgestellt wurde, womit die Inflation des Jahres 2006 auf 12,5% anstieg.
 
Als Grund der Inflation erklärten die Spezialisten der Zentralbank, dass es keine allgemeine Teuerung im Land gegeben habe, sondern kräftige Preiserhöhungen bei bestimmten Artikeln, deren Gewichtung im Warenkorb einer paraguayischen Familie für den Anstieg der Jahresinflation verantwortlich sei. Besonders genannt wurden die Preiserhöhungen bei Rindfleisch und Gemüse. Besonders im Weihnachtsmonat Dezember habe die Inflation noch einmal kräftig zugelegt, hieß es.

Im Jahresüberblick erscheint es, dass die Politik der Kaufkraftabschöpfung durch so genannte „Regulierungswechsel“, die von der Zentralbank an Privatbanken verkauft werden, im ersten Halbjahr 2006 erfolgreich war. Im zweiten Halbjahr erfolgte dann das erneute Erwachen der Inflation, nachdem die von der Zentralbank für die „Regulierungswechsel“ gezahlten Zinsen selbst wiederum für eine Erhöhung der umlaufenden Geldmenge sorgten.

Zentralbankpräsidentin Mónica Pérez hat nach einem Bericht bei Staatspräsident Nicanor Duarte Frutos die Wirtschaftsdaten des Jahres 2006 als „positiv“ bezeichnet. „Zum Jahresende sind wir der Ansicht, dass wir ein positives Ergebnis bezüglich der makroökonomischen Daten und der Kontrolle des Inflationsniveaus erreicht haben“.
Wirtschaftskreise widersprechen dieser Einschätzung und betonen, dass der wahre Grund der Inflation in einem staatlichen Haushaltsüberschuss zu suchen sei, der als „unecht“ beschrieben wird. Der Überschusss bestehe nur zum Teil aus in Paraguay erhobenen Steuereinnahmen, während ein bedeutender Teil durch die Überweisungen der beiden zweistaatlichen Wasserkraftwerke gestellt werde. Diese Überweisungen werden für 2006 mit einem Gesamwert von 562 Mio. US$ angegeben. Dazu kämen noch Überweisungen der Auslandsparaguayer, die Geld im Gesamtwert von ungefähr 360 Mio. US$ an ihre Familien daheim überwiesen hätten (zum Vergleich: die Steuereinnahmen des Finanzministeriums werden für 2006 mit ungefähr 1,2 Mrd. US$ angegeben). Diese hohen Überweisungen hätten die Zentralbank gezwungen, Devisen aufzukaufen, um ein steiles Absinken der Devisennotierungen zu verhindern. Die dafür verwendeten Guaraníes hätten nach Einschleusung in den Geldkreislauf des Landes für das Anheizen der Inflation gesorgt.

Als Gegenmaßnahme verkaufe die Zentralbank die „Regulierungswechsel“, um Kaufkraft abzuschöpfen, mit dem dadurch reduzierten Volumen des umlaufenden Geldes sei es jedoch unmöglich, dass private Interessenten Devisen aufkauften, so dass die Devisennotierungen weiter fielen und nach Ansicht einiger Beobachter auch noch weiter fallen dürften.

Ein Ausweg scheint nicht in Sicht zu sein, zumal jetzt auch die Exekutive begann, sich in die Wechselkurspolitik einzumischen. Nach Angaben des Vorsitzenden der landwirtschaftlichen Vereinigung ARP hat Staatspräsident Nicanor Duarte Frutos zugesichert, dass die Notierung der Leitwährung US$ nicht weiter fallen werde, um den landwirtschaftlichen Produzenten die notwendigen Einnahmen zu sichern. Der Konflikt mit nicht absehbarem Ausgang wird für die Erntemonate März und April vorausgesehen, in denen Soja und Baumwolle geerntet werden.

Inzwischen fiel der US-Dollar weiter, zeitweilig bis auf 5.100 Guaraníes, so dass die Zentralbank weitere Dollarkäufe tätigen musste. Zu bemerken ist dies am Ansteigen der Devisenreserven, die von 1,3 Mrd. US$ Ende 2005 auf 1,7 Mrd. US$ Ende 2006 anstiegen. In den ersten Tagen des neuen Jahres stand der US-Dollar auf ungefähr 5.080 / 5.200 Guaraníes.