Zwei Pflichtverteidiger, die dem Unternehmer des Supermarktes Ycuá Bolaños, Víctor Daniel Paiva, zugeteilt wurden, haben wegen Fehlens eines fairen Verfahrens den Interamerikanischen Menschenrechtsausschuss angerufen.
Víctor Daniel Paiva ist Sohn des Leiters der Supermarktkette. Nach seinen Aussagen war er (der Sohn) nur in untergeordneten Posten im Supermarkt beschäftigt. Die Kläger beschuldigen ihn, zusammen mit seinem Vater, den Befehl beim Brand des Supermarktes gegeben zu haben, die Tore zu schließen, um zu vermeiden, dass die Flüchtenden ihre Waren ohne Bezahlung mitnehmen könnten.
Bei dem Brand des Supermarktes, am 1. August 2004, waren ungefähr 400 Personen ums Leben gekommen, als der Brand in der Küche des Restaurantteils ausbrach und in Sekundenschnelle den gesamten Supermarkt ergriff.
Die Kläger – verletzte Personen, die mit dem Leben davonkamen sowie Angehörige der Opfer – beschuldigen Vater und Sohn Paiva des Mordes. Dies würde den Vorsatz voraussetzen, der darin gesehen wird, dass nach Zeugenaussagen der Befehl zum Schließen der Tore gegeben wurde. Mord wird nach dem paraguayischen Strafgesetzbuch mit 25 Jahren Höchststrafe geahndet. Die Richter entschieden jedoch auf Totschlag, weil niemand annehmen könne, dass die Angeklagten vorsätzlich 400 Menschen umbringen wollten, und verhängten 5 Jahre Gefängnis.
Bei der Verlesung des Urteils begannen die Opfer und Hinterbliebenen mit Stühlen auf die Richter zu werfen, was von den anwesenden Polizisten nicht verhindert werden konnte. Da die Verlesung nicht vollendet werden konnte, gibt es Beschlüsse der nächsthöheren Instanz, die Richter abzusetzen und den Prozess (in erster Instanz) mit anderen Richtern fortzuführen.
Die Unruhen bei der Urteilsverlesung weiteten sich auf ganze Stadtviertel aus, indem andere Geschäfte der Supermarktkette von Personen geplündert wurden, die nicht zu den Opfern und Angehörigen gehören. Es ist bis heute unbekannt, woher diese Demonstranten und Plünderer so schnell und in großer Anzahl auftauchten. Die Polizei zeigte sich unfähig, die Plünderungen zu unterbinden. An einigen Stellen nahmen die Polizisten die von den Demonstranten geworfenen Steinbrocken auf, um diese gegen die Demonstranten zu werfen. Wenn es nicht Steine gewesen wären, hätte man an eine Schneeballschlacht zwischen Polizei und Demonstranten denken können.
Die beiden Pflichtverteidiger sehen das System des „fairen Verfahrens“ unterbrochen, weil man den Angeklagten die für sie zuständigen Richter entzog. Es gibt Gerüchte, dass diese Richter durch die Angeklagten mit hohen Summen geneigt gestimmt wurden. Eine Bestätigung dieser Gerüchte gibt es allerdings nicht.
Immerhin raffte sich das Gericht dann noch auf, dem Publikum ein Opfer zu bieten, indem der Architekt des Supermarktgebäudes verhaftet und der bislang unbescholtene Mann unnötigerweise schwer mit Handschellen gefesselt abgeführt wurde. Der Architekt soll wegen einer mutmaßlich ungeeigneten Konstruktionsweise des Dunstabzuges im Küchentrakt verantwortlich sein, dass der Brand entstehen konnte.