Paraguay verklagt die Schweiz
- Artikel vom 10.01.07 -

Paraguay - International

Nachdem ein schweizerisches Gericht in letzter Instanz Paraguay zur Zahlung eines Teilbetrages im Betrugsfall des paraguayischen Sonderbotschafters Gramont Berres, der mit richtigem Namen Levy heißt, verurteilte, hat die paraguayische Regierung eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen die Schweiz angekündigt.

Gramont Berres, unter dem früheren Diktator Stroessner ein „Sonderbotschafter ohne festen Amtssitz“, hatte mit mutmaßlich gefälschten Vollmachten bei europäischen Banken Kredite zur Errichtung einer Fabrik zur Verarbeitung von Zitrusfrüchten erhalten. Die Fabrik nahm niemals die Arbeit auf. Das Inventar, einschließlich der Ziegelsteine der Seitenmauern, wurde sämtlich geklaut. Der größte Teil der erhaltenen Kredite verschwand in unbekannten Taschen.

Als die Kreditgeber (nach der Regierungszeit des Diktators Stroessner) die Rückzahlung forderten, weigerte sich die paraguayische Regierung mit dem Hinweis auf die gefälschten Vollmachten. Der Staat sei nicht verantwortlich, wenn ein ungetreuer Sonderbotschafter Papiere fälscht. Die Banken müssten gegen den Privatmann Levy vorgehen. Doch ein Fehler wurde gemacht: Paraguay anerkannte gegenüber den klagenden Banken die schweizerische Justiz als zuständig für diesen Fall. Die Banken klagten also in der Schweiz, verloren in zwei Instanzen, gewannen jedoch, wenn auch nur bezüglich eines Teilbetrages ihrer Forderung, in dritter und letzter Instanz.

Um die Zahlung zu vermeiden, will der paraguayische Staat nunmehr gegen die Schweiz den Internationalen Gerichtshof in Den Haag anrufen. Bezüglich der Erfolgsaussichten dieser Klage sind die Meinungen in Asunción geteilt.

Gramont Berres oder Levy, der einige Jahre in Asunción im Gefängnis saß, soll jetzt in Spanien leben.