Das Comité de Iglesias (Kirchenkomitee) ist eine Organisation zur Verteidigung der Menschenrechte, die in den Jahren der Alleinherrschaft des Alfredo Stroessner von der katholischen Kirche, der evangelischen Kirche des La-Plata-Raumes und der Kirche „Discípulos de Cristo“ gegründet wurde.
Das Komitee, das eine große Anzahl von Rechtsanwälten beschäftigte, konnte verschiedene Erfolge im Kampf gegen die Stroessner-Diktatur verzeichnen. Es geriet aber auch häufig in die Kritik vieler Bürger, die die Ausrichtung des Komitees als zu sehr nach links tendierend sahen. Zeitweilig zog sich die katholische Kirche aus der Organisation zurück, ohne dass die Gründe jemals bekannt geworden wären.
Nach dem Sturz Stroessners schien die Organisation zunächst arbeitslos, konnte jedoch überleben und sich bald neuen Aufgaben zuwenden, denn die Menschenrechtsverletzungen verschiedener Art sind ja in Paraguay niemals ganz von der Bildfläche verschwunden. Dabei geht es dem Komitee nicht nur um Einzelfälle mit Folterungen oder ungerechtfertigten Verhaftungen, sondern auch um die allgemeine Bedrückung, die die Menschen wegen der vorherrschenden Korruption und Straflosigkeit zu ertragen haben. Der Jahresbericht 2006 des Komitees ist ein Beispiel für die beklagenswerten Zustände, wie sie von den Experten einer international bekannten Menschenrechtsorganisation gesehen werden.
Gleich eingangs betont das Komitee in seinem Bericht, Paraguay sei gezeichnet von „Korruption und Straflosigkeit, Demagogie, Filzokratie und einer Demokratie, die praktisch nur als Fassade existiere, die keinen wirklichen Gehalt“ habe. Dieses Modell habe auch in diesem Jahr erreicht, dass in allen Landesteilen „allgemeine Armut, Unwissenheit und Rückständigkeit“ erhalten blieben. Dieses populistische Modell schaffe außerdem ein anachronistisches Image des Landes, das mögliche Investitionen verscheuche und Erhöhung von Produktion und Arbeitsplätzen verhindere.
Des Weiteren heißt es: „Es ist traurig, ergreifend und beschämend, dass Tausende Paraguayer, gezwungen durch die sehr schlechte wirtschaftliche Lage, das Land verlassen, um bessere Möglichkeiten zu finden, wobei sie ihre Kenntnisse, Energien, Arbeitskraft, und ihren Fortschrittswillen in andere Länder tragen.“
Bei Erwähnen der ständigen Reibungen zwischen Regierung und Opposition betont der Bericht, dass einer der wichtigsten Punkte, der die Krise anheizte, die Kandidatur des Präsidenten Nicanor Duarte Frutos zum Vorsitzenden der regierenden Colorado-Partei war, „obwohl die Ausübung einer anderen Tätigkeit, die nicht das Amt des Staatspräsidenten ist, dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten durch die Verfassung selbst gemäß Artikel 237 verboten wird.“
Zu der allseits vorhandenen Korruption sagt der Bericht: „Das ist weiterhin eine Landplage, die praktisch die Arbeit aller staatlichen Institutionen beherrscht. Heute ist die Korruption ein vollendetes System, ein Modus vivendi, der es fast nicht möglich macht, dass man außerhalb desselben leben könnte. Es ist gleichzeitig ein moralisches und ethisches Problem. Paraguay lebt in einer Gemeinschaft der Korruption.“