Mercosur - Paraguay - Endziel Europa
- Artikel vom 28.11.06 -

Mercosur, Paraguay - Kolumne

Der Freihandelsvertrag zwishen dem gemeinsamen Markt Mercosur und der Europäischen Union ist eines jener Abkommen, von denen von Zeit zu Zeit viel gesprochen wird, die aber anscheinend niemals in die Praxis umgesetzt werden. Abgesehen von diesem Vertrag, der definitiv bessere Möglichkeiten für den interkontinentalen Handelsaustausch hervorbringen wird, stellt Europa ja neue Möglichkeiten für die Produzenten in Ackerbau, Viehzucht und für Unternehmer der Agro-Industrie dar. Diese Möglichkeiten können schon jetzt wahrgenommen werden. Wir sprechen von einem multikulturellen Markt von 450 Mio. Verbrauchern in 25 Mitgliedsländern, mit relativ hoher Kaufkraft.

- Wann wird das unterzeichnet? –

Die offiziellen Verhandlungen, die 1999 begannen, haben sich in einem Auf und Ab über die letzten Jahre erstreckt. Es bleibt jedoch die Verpflichtung der Annäherung zwischen beiden Partnern, wie auch die Differenzen weiterhin bestehen: Der Mercosur drängt, die landwirtschaftlichen Protektionsmaßnahmen abzubauen. Konkret geht es um die Subventionen, die die Waren betreffen, in denen der südamerikanische Handelsblock konkurrenzfähig ist, während die Länder der EU die Sache vorzugsweise gar nicht erwähnen möchten. Das alte Europa ist der größte Käufer landwirtschaftlicher Produkte des Mercosur.

Für ein Land wie Paraguay, wo noch ein großer Teil der Wirtschaft ihre Grundlage in den Feldern des Binnenlandes hat, ist ein Freihandelsabkommen mit Zielländern, in denen landwirtschaftliche Subventionsmaßnahmen beibehalten werden, wie eine „Chronik eines angekündigten Todes“. Dies, weil 89% der paraguayischen Exporte nach den 25 Ländern der EU aus unveredelten Produkten besteht. Nur der kleine Rest besteht aus verarbeiteten Produkten.

Der Block Mercosur liefert an die EU agro-industrielle Güter wie Sojabohnen und deren veredelte Produkte, dann Kaffee, Saft von Zitrusfrüchten und Tabak. Andere konkurrenzfähige Waren sind Rindfleisch und Getreide, verarbeitete Nahrungsmittel und Milchprodukte.

Wie sieht die Agrarpolitik der E.U. aus? –

Die gemeinsame Agrarpolitik, geschaffen vor mehr als 50 Jahren, die in den letzten Jahren diverse Reformen durchmachte, hat zum Ziel, den Bauern einen vernünftigen Lebensstandard zu bieten und den Verbrauchern Qualitätslebensmittel zu gerechten Preisen. Die gemeinsame Agrarpolitik wurde stets den wechselnden Notwendigkeiten der Gesellschaft der Ersten Welt angepasst. Wichtig wurden Faktoren wie Verbraucherschutz vor gefährlichen Lebensmitteln, Wahrung der Umwelt, Die Beziehung Qualität – Preis, und die Landwirtschaft als Quelle der Produktion von Pflanzen zur Herstellung von Bio-Treibstoffen. Es wird versucht, den Prozentsatz des EU-Haushalts, der der gemeinsamen Agrarpolitik zugeteilt wird, in der kommenden Finanzperiode der EU (2007-2013) kräftig zu verringern.

Es bleibt zu vermerken, dass die Anzahl der europäischen Bauern im Jahr 2004 durch die Erweiterung der EU um 70% anstieg, als 10 neue Länder aufgenommen wurden. Die Bauern und die lebensmittelverarbeitenden Betriebe der neuen Mitglieder standen großen Problemen gegenüber, als sie mit dem Agrarsektor der Gründerländer – die weiter entwickelt sind – konkurrieren mussten. Deshalb empfingen sie Sonderfonds für die Modernisierung. Damit sollen Hilfen für vorgezogene Renten, für benachteiligte Zonen, für den Umweltschutz, die Wiederaufforstung, für die Betriebe, die nur für das Überleben der Familie arbeiten, für Bauernvereinigungen und zur Erfüllung der EU-Nahrungsmittelnormen und der Normen der Reinheit und Tierhaltung gegeben werden.

Der europäische Verbraucher –

Eine Erfolgsstrategie des paraguayischen Agro-Exporteurs besteht in der Verfolgung der Segmentierung der Produkte. Dabei ist zu beachten, dass eine große Gruppe der europäischen Verbraucher individuelle Angebote wünscht, aber auch authentische Dinge aus Kunsthandwerk und alteingesessenen Fertigungen. Es ist dabei vorteilhaft, Markenprodukte mit dem Zusatz „handgearbeitet“, „traditionell“, „die Geschichte des Ursprungs“ usw. anzubieten. Der Verbraucher ist sich des Preises bewusst, aber auch der Qualität und der technischen Daten eines Produktes. Auch ist er an umweltbewusster Fertigung interessiert.

Ein Tereré in Madrid, bitte –

Die Auswanderung paraguayischer Arbeiter nach traditionellen Aufnahmeländern wie Argentinien und USA verstärkte sich in den letzten Jahren. Es wurden neue Territorien erschlossen, wie im Fall von Spanien.

Welcher Paraguayer würde nicht gern ein Stück des paraguayischen Käses oder der Yerba Mate in seinem neuen europäischen Wohnort bekommen? Die wichtigsten paraguayischen Gemeinschaften in Spanien finden wir in Madrid, Katalonien, Barcelona, Málaga und Valencia. Gemäß der Interamerikanischen Entwicklungsbank sind die Überweisungen der Auswanderer von 506 Mio. US$ im Jahr 2004 auf 650 Mio. US$ im Jahr 2006 angestiegen. Die Ausnutzung dieser „Nostalgie-Märkte“, die jeden Tag wachsen, ist eine Herausforderung für den paraguayischen agro-industriellen Bereich.

Mit dem Kompass in der Hand –

Es ist ein notwendiger Faktor, dass man in Information über den Kunden investiert und die Charakteristiken der Kundschaft kennt. Man soll kein Geld ausgeben, bevor man die neuen Territorien nicht gründlich kennen gelernt hat. Für den Exporteur ist es auch ein wichtiger Faktor, dass er die Finanzierungsmöglichkeiten berücksichtigt und die Produkte dem Bedarf des Empfängermarktes anpasst. Ausgangspunkte für den Unternehmer, der sich dazu in der Lage fühlt und die unternehmerische Kapazität hat, um den Ozean zu überqueren, sind Internetseiten wie HELPDESK der Europäischen Kommission (www.exporthel.europa.eu) und INFOPYME (www.Infopyme.com.py) in Paraguay.

Weitere Informationen unter www.rodriguezsilvero.com.py.