Vom zweistaatlichen Wasserkraftwerk Itaipú werden unter der Leitung des Direktors für die paraguayische Seite Geschenke an die ärmeren Bevölkerungsschichten verteilt. Diese Geschenke enthalten in einigen Fällen Saatgut, aber auch Ausrüstungen für Schulen, landwirtschaftlich nutzbare Tiere (es sollen auch Kaninchen verschenkt worden sein) und ähnliche Dinge.
Während Politiker der Opposition betonen, dass sie nicht gegen derartige „Sozialausgaben“ seien, dass die Kosten jedoch über den Staatshaushalt laufen sollten, denn augenblicklich würden diese Geschenke ohne Aufsicht und Kontrolle verteilt. Dabei habe man in einigen Fällen den Eindruck, dass diese Geschenke gezielt als Wahlpropaganda eingesetzt würden. Bemühungen des paraguayischen Rechnungshofes, die Buchhaltung der beiden mit Brasilien und Argentinien betriebenen zweistaatlichen Wasserkraftwerke einzusehen, waren bisher fruchtlos. Die Wasserkraftwerke verschanzen sich hinter ihrer „Zweistaatlichkeit“, so dass sie in der Praxis einen Staat im Staate bilden.
Staatspräsident Nicanor Duarte Frutos hat mit Vehemenz diese „Sozialausgaben“ verteidigt und in offener Herausforderung seiner Kritiker verkündet, dass diese Geschenke auch weiterhin verteilt würden, da heute erstmalig überschüssige Gelder des Stauwerkes der armen Bevölkerung zugute kämen.
Bei einem Besuch zweier Ministerinnen der Regierung Duarte Frutos, Erziehungsministerin Blanca Duarte und Sozialministerin Judith Andraschko, bei der katholischen Bischofskonferenz des Landes, kritisierten auch die Bischöfe die unkontrollierte Verteilung derartiger Gaben. Nach Angaben von Bischof Adalberto Martínez wurde gegenüber den Ministerinnen der wenig klare Verteilungsmodus bei der Vergabe dieser Geschenke kritisiert. Diese Geschenke würden mehr für die Wahlpropaganda benutzt, besonders zu Zeiten der Wahlkampagnen im Land, betonte der Bischof. „Diese Hilfen, mit der Ausrede der Autonomie der Itaipú, überzeugen in der Transparenz ihres Gebrauches nicht!“ sagte der Bischof.
Die Verteilung der Itaipú-Gaben wurde schon im vergangenen Jahr von der paraguayischen Bischofskonferenz kritisiert.