Staatsanwaltschaft gegen Fußballspieler
- Artikel vom 19.11.06 -

Paraguay - Allgemein, Paraguay - Gesellschaft

Der bekannte paraguayische Fußballspieler Nelson Cuevas wurde Anfang November von der Staatsanwaltschaft unter Anklage gestellt, weil er mutmaßlich durch Urkundenfälschung zu einem Abiturzeugnis kam.

Bei seiner Aussage vor der Staatsanwaltschaft anerkannte Cuevas, dass er es in der Schule nur bis zur 10. Klasse geschafft hatte (für das Abitur sind in Paraguay 12 Klassen vorgeschrieben). Allerdings betonte der Fußballspieler, dass er niemals ein außerordentliches Examen (mit dessen Hilfe das Abiturzeugnis ausgestellt werden konnte) beantragt habe. Es sei ihm ein Rätsel, wer die entsprechenden Dokumente eingereicht haben könnte.

Der Staatsanwalt, der dem Fußballspieler nicht glaubte, hat inzwischen herausgefunden, dass zwischen diesem und einem Schuldirektor eine enge Freundschaft bestand. Dieser hat mutmaßlich für den reibungslosen Ablauf der Sache gesorgt.
Der Aufsehen erregende Fall hatte seinen Ursprung im Juni dieses Jahres, als die Direktorin der Abteilung Rechtsberatung des Erziehungsministeriums bei verschiedenen staatlichen Schulen außerordentliche Examina entdeckte, die anscheinend nicht ordnungsgemäß abgelaufen waren. Das Erziehungsministerium zog die Staatsanwaltschaft hinzu, die beim Durchforsten der Berichte des Jahres 2005 mutmaßlich gefälschte Beschlüsse bezüglich bestandener außerordentlicher Examina entdeckte. 2005 waren es 346 Beschlüsse, 2004 waren es 619. Insgesamt wurden so 1.010 Beschlüsse gefunden, die den Prüfern zumindest zweifelhaft erschienen.

Damit wären es allein in den letzten drei Jahren mehr als 1.000 Personen gewesen, die in Zusammenarbeit mit einigen Schuldirektoren ihr Reifezeugnis auf unlauterem Weg erhielten. Die Staatsanwaltschaft hat bisher 410 Personen unter Anklage gestellt. Es wird angenommen, dass die übrigen in den nächsten Monaten an der Reihe sind. Die Staatsanwaltschaft denkt, dem Vernehmen nach, an Strafen wie Ausreiseverbot, Spenden in Höhe von mindestens 3 Mio. Guaraníes für kleine Schulen und Ähnliches, als Ersatz für die bei Urkundenfälschung eigentlich fällige Gefängnisstrafe.

Der Fußballspieler Cuevas ist bekannt geworden, weil er in Mexiko Aufsehen erregende Erfolge feiern konnte.