ASUNCION (AR) Jetzt hat auch die paraguayische Postdirektion zugegeben, dass die Postbeförderung durch fehlende Flugverbindungen von Asunción ins Ausland behindert wird.
Die zunehmende Isolierung auf dem Gebiet der Flugverbindungen ist eine Folge des Rückzuges wichtiger Fluggesellschaften, die Asunción nicht mehr anfliegen. Als Beispiele werden American Airlines, Varig, Lloyd Aéreo Boliviano genannt. In der Praxis ist es nur noch die paraguayische Linie (mit brasilianischem Kapital) TAM, die einen regelmäßigen Flugdienst von Asunción in wichtige Nachbarländer aufrecht erhält. Gewisse Frequenzen werden auch noch von der brasilianischen Billigfluglinie “GOL” wahrgenommen.
Bei der Linie American Airlines wurde als Grund des Rückzuges ein neues Tourismusgesetz genannt, welches den Fluglinien vorschreibt, den Reisebüros für jedes verkaufte Ticket eine Provision von 6% zu zahlen. Dieser Eingriff in das freie Spiel von Angebot und Nachfrage habe die Führung der Linie als untragbar angesehen, heißt es. Andere Beobachter betonen schlicht, dass der wahre Grund wirtschaftlicher Art sei. Der Standort Asunción sei nicht attraktiv genug. Die Flugzeuge der American Airlines seien oft kaum ausgelastet gewesen.
Letztere Meinung wird von den Reisebüro-Betreibern mit Vehemenz vertreten, denn bei freiem Spiel von Angebot und Nachfrage könnte ihre Provision niedriger als die heute gesetzlich festgelegten 6% ausfallen. Einer der Reisebürounternehmer sagt: “Die Leute reisen dorthin, wo es Möglichkeiten gibt zu investieren, zu arbeiten, bei der Entwicklung tätig zu sein, oder um sich zu vergnügen. Aber wir müssen anerkennen, dass es in unserem Land wenige Arbeitsmöglichkeiten gibt, fast gar keine Investition, und dass wir nicht gerade dadurch auffallen, dass man sich hier gut vergnügen kann.” Danach erinnerte er daran, dass von den 11 Fluglinien, die vorher Asunción anflogen, 10 sich bereits zurückzogen, als das neue Tourismusgesetz noch gar nicht existierte. Der Grund liege also nicht in der protektionistischen Norm der 6-prozentigen Provision, sondern im geringen Passagieraufkommen. “Es gibt Länder, in denen die Provision nach einer gesetzlichen Norm kassiert wird, wie in Kolumbien, Brasilien und Venezuela, und deshalb ist es ja nicht so, dass die keine Passagiere mehr hätten. Dann gibt es andere Länder, wo die Provision nicht vom Gesetz festgelegt wird, wie Haiti oder Simbabwe – und da will niemand hin!”
Diese fehlenden Flugverbindungen führen nach Auskunft des paraguayischen Postdirektors Hugo Piccinini heute dazu, dass einkommende Sendungen in den großen Umschlagflughäfen Buenos Aires und Sao Paulo gelagert und somit verzögert werden. Ausgehende Sendungen gehen jedoch, so Piccinini, zügig ab.