Paraguay - Die Stunde der Wahrheit
- Artikel vom 14.08.06 -

Paraguay - Allgemein

Mit dem Austritt von Monsignore Lugo aus der politischen Szene sind die Würfel gefallen, und aus der Ferne ertönt schon der Startschuss für das Rennen der Wahlen im Jahre 2008. 

Nun wird es sich zeigen, ob die Interessenten innerhalb einer schwer zu vereinenden Gruppe den tatsächlich nationalen Bedürfnissen Vorrang geben werden, oder ob das Vorhaben, wie bei früheren Gelegenheiten in gegenseitigen Anschuldigungen und Vorwürfen zerfließt.

Monsignore Lugo war für viele die einzige Person, die den Zusammenhalt gewährleisten konnte. Er war ein Bindeglied zwischen den Vertretern der Opposition und einem großen Teil der Bevölkerung, die es aufgegeben hat, auf Änderungen durch das Wirken einer Opposition zu hoffen. Sein Rücktritt ist für viele in einen rätselhaften Schleier gehüllt, zumal am Tag zuvor sogar die Kirche geäußert hatte, sie würde sein Vorhaben einer nationalen Konzertierung unterstützen.

Der Spekulationsraum ist groß und schwer zu umfassen. Seitens Lugo selbst herrscht Stille. Die offizielle Aussage lautet, er tritt zurück, da er seine Aufgabe erfüllt habe, und nur um die Gewässer nicht aufzuwühlen, heißt es, er werde weiterhin eine Konzertierung „begleiten“. Dies wurde auch öffentlich bekannt gegeben, und die Mitglieder der Opposition stimmten dem sogar zu. Dennoch ist es dies noch nicht überzeugend. Natürlich wird, wie auch sonst, von der lokalen Presse wenig berichtet.

In den letzten Monaten wurden zu viele Hoffnungen geweckt, als dass man sich damit abfinden sollte, diese einfach in den Wind zu werfen.

Laut Angaben von Resistencia Ciudadana wird das anfängliche Projekt weitergeführt. Fraglich ist natürlich, ob dies mit dem gleichen Elan geschieht, der die Hoffnung erhalten kann. Auf alle Fälle ist Spannung angesagt. Mittlerweile kann man jedoch schon einige Schlussfolgerungen ziehen.

1.) Die linksgerichteten politischen Bewegungen und kleinen Gruppierungen entpuppen sich langsam, aber mit zunehmender Kraft als eine politische Alternative.

2.) Der 29. März hat ein politisches Vakuum zum Vorschein gebracht, mit dem die meisten politischen Gruppierungen nicht gerechnet hatten und das, mit oder ohne Monsignore Lugo, für jede politische Bestrebung ein gefundenes Fressen ist.

3.) Die Regierungspartei müsste bereits bemerkt haben, dass sich im Schatten ihrer Macht etwas zusammenbraut, das in der Zukunft nicht zu unterschätzende Folgen haben wird.

4.) Die Reaktionen darauf kann man schon spüren. In der Colorado-Partei ist es bereits zu Spaltungen gekommen. Wie lange Duarte Frutos als Generalsekretär der Partei den anbrechenden Zerfall aufhalten kann, ist allein eine Frage der Zeit.

Zuletzt müsste man sich fragen, ob es überhaupt möglich ist, eine Einheit aufrecht zu erhalten, die im Grunde genommen daraus besteht, das „erbeutete“ Staatsgut zu verteilen. Hat sich die Colorado-Partei eigentlich überhaupt schon Gedanken gemacht, wie sie als Oppositionspartei funktionieren könnte? Oder ist das etwas, was man nicht für möglich hält?

Jeder weiß, dass die großen Fehler der Menschheit im großen Maße auf die Blindheit ihrer Führer zurückzuführen sind. Der Fall des römische Reiches, die Reformation der Kirche, der Verlust der Kolonien seitens der Kolonialmächte, um nur einige Beispiele zu nennen. Einige Autoren, wie etwa Philipp Slater, reden von : The unavoidable Blindness of Authority“

Das Seltsame dabei ist jedoch das dies immer wieder geschieht.