[AR] Der bisherige Direktor der Einwanderungsbehörde (Migraciones), Carlos Liseras, wurde am 06. Juni zum Generalsekretär des Präsidialamts ernannt. Sein vom Staatspräsidenten ernannter Nachfolger war der Polizeikommissar im Ruhestand Néstor Alvarenga.
Die Einwanderungsbehörde untersteht dem Innenministerium. Sie regelt die Zulassung neuer Einwanderer und vergibt die Aufenthaltsgenehmigungen.
Carlos Liseras erklärte vor den Reportern, dass er als Direktor der Einwanderungsbehörde ständig Druck erhielt, um bestimmte Personen zu begünstigen, doch das Wichtige dabei sei, dem Druck nicht nachzugeben, sondern korrekt zu arbeiten. Dies erschien wie eine Mahnung an seinen Nachfolger, Néstor Alvarenga, der dabei stand und ehrenhafte Arbeit auf seinem neuen Posten versprach.
Doch sein Amt dauerte nicht einmal einen Tag. Er stolperte über seine nicht bewältigte Vergangenheit. Der ehemalige politische Gefangene und heutige Rechtsberater der Aufsichtsbehörde des Personenverkehrs, Carlos Brañas, protestierte öffentlich gegen die Ernennung des Alvarenga und betonte, dass dieser ihn 1976 in der kriminalpolizeilichen Abteilung bestialisch gefoltert habe. Carlos Brañas zeigte eine Urkunde mit dem Bericht, den Alvarenga damals an seine Vorgesetzten gegeben hatte. Darin ist die Rede von 50 Hieben mit der flachen Säbelklinge, die er dem Häftling versetzte. Dieser Bericht war die Grundlage, dass über den paraguayischen Ombudsmann im Jahre 2004, Carlos Brañas eine staatliche Entschädigung zugesprochen wurde.
Carlos Brañas behauptet, dass der Folterknecht Néstor Alvarenga zum “engeren Kreis um Präsident Nicanor Duarte Frutos” gehöre und dass der Staatspräsident von dessen Vergangenheit wusste, weil die Akte der Entschädigungszahlung über das Präsidialamt gelaufen sei.
Am selben Tag erklärte eine bekannte Menschenrechtskämpferin, Guillermina Kannonikoff, die Witwe des in der kriminalpolizeilichen Abteilung gefolterten und ermordeten Mario Schaerer, dass sie - schwanger - von Néstor Alvarenga einen Faustschlag ins Gesicht erhielt, als sie (1976) einen Bauern, der nach einer Folter-Behandlung kraftlos im Regen lag, zudecken wollte. Der Körper des Bauern sei von Säbelhieben verunstaltet gewesen. Es gebe Zeugen für diesen Vorfall.
Ein Skandal größeren Ausmaßes bahnte sich an. Nach unbestätigten Meldungen soll Präsident Nicanor Duarte Frutos, Néstor Alvarenga nahe gelegt haben seinen Rücktritt einzureichen. Néstor Alvarenga erklärte noch am Tag seiner Ernennung, seinen Rücktritt. Hiermit dürfte er als der wohl einzige Direktor in der Geschichte der Einwanderungsbehörde sein, der nicht einmal einen Tag in seinem Amt überdauerte. Als Nachfolger wurde der Zeitungsredakteur Arsenio Orué ernannt, ein ehemaliger Arbeitskollege des Staatspräsidenten Nicanor Duarte Frutos, von der Zeitung “Ultima Hora”. Nicanor Duarte Frutos hatte seinerzeit 11 Jahre als Redakteur in jener Zeitung gearbeitet, bevor er diese 1989 verließ, um Vizeminister im Erziehungsministerium zu werden.