50 Jahre AHK - Interview mit Herr Dr. Ludwig Georg Braun
- Artikel vom 15.03.06 -

Paraguay - Gesellschaft, Deutschland im Dialog

[AR] 50 Jahre AHK, wie prognostizieren Sie die Zukünftige Präsenz der AHK in Asuncion, und wird es eine große südamerikanische Außenhandelskammer geben?

Dr. Braun - Betrachten Sie die wirtschaftliche Kraft die einzelne Wirtschaftsregionen ausstrahlen, und aus dieser der sich in Regionen zusammenfassenden Kraft wird natürlich auch abgeleitet werden können wie sich die Kammer organisiert, zumindest sieht es so das deutsche Wirtschaftsministerium. Die natürlich auch wissen, da sind Regionen die müssen wir betreuen, und in diesen Regionen müssen wir Außenwirtschaftsförderung betreiben. Industrie und Handelskammern sind ein wichtiges Instrument der Außenwirtschaftsförderung. Solange das Außenministerium mithilft, finanziell das hauptamtliche Personal zu bezahlen, werden sie auch sagen können, wie wir Räume finden, wie sind sie organisiert, wie ist die Mittelaufwendung in Relation zum Erfolg dessen was wir erwarten können. Deshalb Glaube ich das Konzept was wir im Moment verfolgen, in der Koordination der Kammeraktivitäten in Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien, entspricht diesen Rahmen. Es wird keine große südamerikanische Kammer geben.

[AR] Wie gewichtig sehen Sie den Standort Lateinamerika, insbesondere Paraguay, für Deutschland?

Dr. Braun - Es ist gerade der Mercosur wo wir sagen können das Europa insbesondere Deutschland eine starke Position in den Wirtschaftsbeziehungen hat. Wir könnten hier noch gut gegenhalten, was den starken Einfluss Amerikas betrifft. Ich sehe natürlich auch ein Stück weit in der politischen Struktur was sich in den letzten 24 Monaten entwickelt hat, dass ist hier doch ein bewusstes Abrücken von Nordamerika. Auch wenn Nordamerika sehr stark versucht die Monroedoktrin zu beleben so Glaube ich aber doch das Dank des Heranwachsens anderer Wirtschaftsregionen, insbesondere Asien, die Begrenzungen der Wirtschaftsattraktivität Amerikas aufzeichnet. Die perspektiven in Lateinamerika zu investieren war aus meiner sicht noch nie so gut wie momentan.

[AR] - Die B Braun Melsungen AG unterhält einige Standorte in Lateinamerika, weshalb sind Sie mit Ihren Unternehmen noch nicht hier in Paraguay vertreten?

Dr. Braun - Die B Braun Melsungen AG ist deshalb noch nicht hier, weil uns der Markt immer noch nicht ausreichend attraktiv war. Wir beliefern ja im wesentlichen den Gesundheitssektor, und in den vergangenen Jahren war das immer ein Ausschreibungsmarkt. Dieser Ausschreibungsmarkt ist in hohen Maß mit Beziehungen verbunden, und wenn sie da ethisch korrekt vorgehen wollen, stoßen sie schnell an ihre Grenzen.

[AR] - Wie müssten die Rahmenbedingungen für deutsche Investoren, hier in Paraguay aussehen?

Dr. Braun - Es ist wichtig das verlässliche und einhaltbare Rahmenbedingungen geschaffen werden. An erster Stelle steht für uns Unternehmer ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland, übrigens eines der wenigen Punkte die Deutschland noch National verhandeln kann. Es ist durchaus möglich das in einer Dekade diese Möglichkeit nur noch über die EU verhandelt werden kann.

[AR] - Der Abbau von Agrarsubventionen innerhalb der EU wird sich in den nächsten Jahren deutlich bemerkbar machen. Wie sehen Sie die Marktchancen für Paraguay insbesondere den Bereich Agrarwirtschaft?

Dr. Braun - Die deutsche Regierung möchte schon seit einigen Jahren, und ich selbst, die Agrarsubventionen abschaffen. Leider werden bis 2008, hinsichtlich der französischen Präsidentschaftswahlen keine nennenswerten Resultate zu erwarten sein. Frankreichs Landwirtschaft partizipiert in einem nicht unerheblichen Maß an der Agrarsubvention. Immerhin ist Frankreich mittlerweile zu tiefgründigen Gesprächen innerhalb der EU bereit, was man insoweit als Fortschritt bezeichnen kann. Dies gibt Ländern wie Paraguay die Gelegenheit ihre Strukturen weiter auszubauen, und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

[AR] - Herr Dr. Braun, Sie werden heute ein Referat zum Thema: Deutschland, Situationsanalyse und Perspektive, halten. Wie beurteilen Sie die momentane Situation in Deutschland?

Dr. Braun - Wahlen, es war ein überraschendes Wahlergebnis. Aus meiner Sicht und Einschätzung vom Volk so gewollt, bewusst gewollt. Ein Wahlergebnis dass bestätigt wir wollen Reformen. Und das große Problem war kurz nach dem überraschenden Ausgang der Wahl dass die Einen weniger bekommen haben als sie dachten, dass sie bekommen würden, und die Anderen mehr bekommen haben, als sie erwarteten, so dass diese erstmal ihr Klientel hinter sich bringen mussten. Frau Merkel hat sehr klug reagiert, und richtete das im Ausland wo sie niemanden mit weh tat. Sie hat in der Politik des roten Teppichs wirklich gut agiert. Sie hat auch gleichzeitig die Distanz aus der russischen Umarmung geschafft, ohne dabei das Verhältnis zwischen den beiden Staaten zu stören. In der gleichen Zeit hat sie ihren Fraktionen Zeit gelassen, sowohl der UNION wie auch der SPD, sich mit der Situation das zwei widerstreitende Fraktionen plötzlich Regierung stellen, aneinander zu gewöhnen. Sie nennt es Politik der kleinen Schritte, und da findet sich auch im Echo der Bevölkerung wieder. Die Bevölkerung ist sich dessen bewusst, wir müssen Reformen haben, bitte macht es so dass wir uns darauf einstellen können. Wir haben zwei wesentliche Reformen die auf den Weg gebracht werden müssen, zum einen Gesundheitsreform und zweitens die Steuerreform.

[AR] Aktuelle Rundschau S.A. - ISSN 1028-4672